Day 28

Vom Versetztwerden, Schreibblockaden, Feng Shui und Keksen. Mit der Kreativität ist es wie mit einem unzuverlässigen Freund. Wir alle kennen diese Typen, die total verliebenswert sind und in deren Nähe wir uns so gut fühlen, als wären wir in einem Rausch. Dann ist die Welt bunter, schöner und lauter. Ein Gefühl, das wir uns gerne 24/7 wünschen, aber nur bekommen, wenn besagter Freund in der Nähe ist. Ich nenne dieses Gefühl ‘Jasper’ und wer wissen will wieso, sollte das Buch ‘Ewig und eins’ lesen. Nur sind solche Freunde eben die, die gerne drei Minuten vor dem verabredeten Treffen via WhatsApp absagen, weil sie irgendwo was anderes zu tun und das to-tal vergessen haben. Wir kennen das. Also steht man alleine im Park mit der Picknick-Decke, dem Einweggrill und der kühle Cola (wahlweise gerne ein Bier). Sicher, man kann sich auch alleine einen schönen Feierabend machen, aber mit ‘Jasper’ wäre es schöner. Jetzt sitze ich vor dem gefürchteten weißen Blatt Papier und starre auf den blinkenden Cursor. Die Kreativität, die mir heute ein Date fest versprochen hat, muss wohl irgendwo anders einen Schrifsteller vor dem Selbstmord retten und hat mich versetzt. Schon wieder. Also gibt es nur mich, den Cursor und das Blatt, auf das ich starre und das ich mit Buchstaben, Worten, ja ganzen Sätzen füllen sollte. Gute im Idealfall. Doch verlassen von der Kreativität starre ich stattdessen, räume auf, wasche Geschirr, recherchiere Seiten zum Thema Feng Shui, weil ich auf die glorreiche Idee gekommen bin meine Wohnung umzuräumen … alles nur, weil ich versetzt worden bin. Ich komme mir vor damals mit 15 vor dem Kino, als der Schwarm einfach nicht aufgekreuzt ist. Bitter. Vielleicht wird es Zeit eine ernste und feste Beziehung mit der Kreativität einzugehen. Ja, ich spreche von Ehe … Vorher versuche ich noch einen anderen Trick. Heute Nacht stelle ich Kekse und ein Glas Milch auf meinen Schreibtisch und hoffe, so die treulose Tomate Kreativität zu mir zu locken. Ich werde berichten, ob es geklappt hat.