Day 22

Freunde nennen mich liebevoll “raggedy writer”. Das zu erklären würde zu weit führen. Nichts desto trotz habe ich mich über dieses Geschenk (unpacking Video im nächsten Weekly Me) unheimlich gefreut. Heute möchte ich mich mal dem Thema “emotionale Distanz” widmen. Einige Leser mögen es ja nicht, wenn ein Buch aus der Ich-Perspektive erzählt wird. Nun, alle meine Bücher sind bisher aber genau so geschrieben. Manche Kollegen warnen mich, weil ich mir einige Chancen durch die Lappen gehen lassen würde. Zum Beispiel den allwissenden Erzähler, der die Gefühle beider Charaktere kennt und weiß, was z.B. der Mann empfindet, wenn die Frau ihm die große Liebe gesteht. Das verstehe ich. Das Dumme ist nur, wenn wir im echten Leben über unseren Schatten springen und unsere Gefühle mitteilen, können wir nicht in den Kopf der anderen Person schauen. Trotzdem springen wir ins kalte Wasser. Das erhöht natürlich die emotionale Fallhöhe für jede Figur. Wenn Pippa also etwas tut, ohne zu wissen, wie Lukas reagiert, dann erfordert das Mut. Auch für mich als Autorin. Ja, viele wollen in alle Köpfe eines Buches schauen. Genau die Leser muss ich enttäuschen, es bleibt die Ich-Perspektive. Ich kenne es nur so und ich mag es. Pippa, Layla, Maya, Ella … sie alle sind ein Teil von mir, weil ich nur dann für sie sprechen kann. Wer mich oder meine Geschichten kennt, der weiß, dass ich keine emotionale Distanz zu den Figuren habe. Ich lasse sie auch ganz schrecklich ungern los. Ich klammere mich an sie und weine, wenn das Buch zu Ende ist. Das ist nicht besonders professionell, mag sein. Aber es ist echt. In diesem Sinne: raggedy readers, goodnight. Status: Nähe tut gut. Gefühl: Versteht das jemand?