Das Leben als Autorin | in Progress

Von Türen und Katzenklappen

14. August 2017

Heute habe ich (Facebook sei Dank) eine, auf den ersten Blick, eher unangenehme Erinnerung in meine Timeline gespült bekommen. Eine Statusline von mir vom 14. August 2012. Ich klang niedergeschlagen, traurig, enttäuscht und ja, auch ein wenig wütend. Denn vor genau fünf Jahren an diesem sonnigen Augusttage habe ich die Absage eines Verlages zu meinem Manuskript von ‚Lieblingsmomente‘ bekommen.

 

 

Nach einem vielversprechenden Telefonat und freundlichen Mails hat mich die Absage überrascht und die Wortwahl unnötiger Weise getroffen. Den ganzen Tag war ich ziemlich am Boden. Ein Gefühl, das wohl jeder Autor zu Beginn seiner Karriere kennt. Noch dazu, da ich nur vier Wochen zuvor (ebenfalls mit ‚Lieblingsmomente‘) eine weitere Absage einer Literaturagentur erhalten habe.

 

 

Sie alle sahen für die Geschichte von Tristan & Layla keine Chance. Zu provinziell? Zu viel Stuttgart? Oder vielleicht einfach nicht gut genug? Einige Wochen war ich ein ziemliches Häufchen Elend das nur traurige Musik gehört und an ihrem Talent gezweifelt hat. Würde jemals jemand die Geschichte von Tristan und Layla, ihren Lieblingsmomenten und dem Song von Thomas Pegram hören?

Wir alle wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist. Tristan & Layla haben eine Fortsetzung bekommen, ein Hörbuch, Übersetzungen ins Italienische & ins Polnische und mir die Tür zum Verlag mit dem goldenen Schild geöffnet.

 

Ich erzähle euch das nicht, weil ich mein Leben inzwischen mit Goldkonfetti und vier Lamborghinis ausstatte und eine Heerschar an Fans haben, die meinen Spiegel-Bestseller-Status feiern. Mit Nichten!
Gut möglich, dass ich mich einfach nur selbst daran erinnern will, wie es mir vor fünf Jahren ging. Wie sehr ich an allem gezweifelt habe. Vor allem an mir selbst. Und wo ich jetzt bin. Nicht alle Zweifler haben immer Recht. Manchmal muss man an sich glauben. Vor allem dann, wenn es andere nicht tun. (wie tiefgründig, Popescu, beeindruckend)

Aber wie heißt es so schön? Wenn irgendwo eine Tür zugeht, findet man eine Katzenklappe, die uns in den nächsten Raum, ins nächste Kapitel lässt. (Oder so ähnlich) Als der Verlag damals abgesagt hatte, wusste ich nicht, dass das ein Glücksfall war. Denn es kam ein anderer Verlag, mit einer Lektorin die mir vertraut, meine Ideen mag und mit der ich auf einer Wellenlänge liege. Vier Piper-Romane und ein aktuelles Romanprojekt später, kann ich nur sagen, dass der vermeintliche Tiefschlag damals vielleicht mein größtes Glück war.

Und jedes Mal, wenn ich jetzt glaube eine Tür sei zugefallen, sollte ich mich lieber aufraffen und die Katzenklappe suchen, statt die ‚Nothing compares 2 U‘-Playlist bei Spotify zu öffnen und mich weinend ins Bett zu verkrümeln. Vielleicht werde ich nämlich in fünf Jahren zurückblicken und feststellen, dass es ein – als Tiefschlag verkleideter – Glücksfall war.

Und wenn irgendwo da draußen jemand sitzt und glaubt: ‚Die ganze Welt zweifelt an diesem Buch, aber ich glaube daran – was tun?‘ dann immer daran denken: Sucht die Katzenklappe! Sie könnte in eine aufregendes, wunderbares, spannendes und fulminantes neues Lebenskapitel führen!

Ich sage das Folgende ohne Ironie, ohne Bitterkeit: Danke für die Absagen damals lieber Verlag, liebe Agentur! Denn es kam doch so, wie ich es mir gewünscht habe, nur eben durch die Katzenklappe! Danke!

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