in Progress

Vom doppelten Abschied

8. Juni 2017

Gar nicht so einfach, lieb gewonnene Figuren gehen zu lassen.

Beim Beenden des Manuskripts habe ich schon Tränen vergossen, wie immer, wenn ich meine Charaktere zum Bahnhof bringe, wo sie von meiner Lektorin in Empfang genommen werden und ich sie irgendwann nächstes Jahr im Buchhandel wiedersehe.

Doch wenn man in die Überarbeitung taucht, sieht man sie wieder – wie in einem Skype-Videoanruf – und checkt, ob es ihnen gut geht, was inzwischen aus ihnen geworden ist und wie sie sich im Lektorat schlagen.

Nun, meinen Astronauten geht es ziemlich gut. Sie halten sich tapfer und strahlen in ihren Raumanzügen um die Wette. Ich feile noch ein wenig an ihnen, mache sie runder, schöner und flotter – damit 2018 ihr Jahr werden kann.

Und schon jetzt graust es mir vor dem nächsten Abschied, wenn ich sie endgültig loslassen muss und sie in den Druck wandern, in ein wunderschönes Paperbackformat geschnürt und mit einem (hoffentlich) zauberhaften Cover versehen werden.

Ich war noch nie besonders gut im Verabschieden meiner Figuren, weil ich sie mir wichtig sind, weil sie zu einem Teil von mir werden. Und ich zu seinem Teil von ihnen. Ob ich das nun will oder nicht. (Und ja, ich will!)

Doch der Abschied wird nicht, wie erwartet, von Buch zu Buch leichter. Ganz im Gegenteil. Ich werde mit jedem neuen Projekt anhänglicher.

Jetzt sollte ich eigentlich das Ende der Geschichte bearbeiten, es für die endgültige Fassung vorbereiten und stattdessen sitze ich hier, schreibe diesen Eintrag (ich weiß, ich weiß, Prokrastination) und halte sie dadurch noch etwas länger fest. Mir fällt kein passendes Beispiel ein, um dieses Gefühl verständlich und anschaulich zu beschreiben, aber ich verwandele mich gerade in eine Helikoptermutter, die ihre Teeanger umkreist und hofft, dass sie es da draußen in der ‚echten Welt‘ gut haben werden.

Vielleicht trifft es der Abschied am Bahnhof doch am besten. Wenn gute Freunde auswandern und man sie nicht mehr jeden Tag besuchen kann. Das ist mir damals bei Tristan & Layla (Lieblingsmomente) passiert und hat sich in allen Romanen dazwischen wiederholt.

Okay.

Genug.

Es ist Zeit ‚Auf Wiedersehen‘ zu sagen.

Nun denn, geliebte Astronauten, ich kehre ein letztes Mal zu euch zurück. Macht euch keine Sorgen, ihr werdet heil auf dem Mond landen.

Macht es gut, passt auf euch auf und macht keine Dummheiten.

Be awesome, stay gold,

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