in Progress

Von Buch zu Buch

22. Januar 2017

Ein neuer Roman ist immer einer Herausforderung. Eine neue Reise zu einem unbekannten Ort, an dem man noch nie war.
Natürlich mag der Prozess des Schreibens dem des letzten Buches ähneln, aber es ist doch jedes Mal wieder ein ganz neues Gefühl.

Ich lerne neue Figuren kennen, erfahre mit jeder Seite etwas mehr über sie – und unweigerlich auch über mich – und vertraue darauf, dass mein Handwerk mich auch dieses Mal nicht im Stich lässt.
Das ständige Vergleichen ist dabei so sicher, wie ein ‚Vatican Cameo‘ bei Sherlock. Nein, keine Vergleiche mit Kollegen, denn wie soll das funktionieren? Das ist wie Apfel und Birnen. Im Idealfall hat jeder Schriftsteller eine eigene Stimme (mit wenigen Ausnahmen) und eigenen Ideen. Es macht keinen Sinn, wenn man sich mit Kollegen vergleicht. Das führt nur zu rasch wachsenden Magengeschwüren und Neid, der schrecklich bitter schmeckt.

Dem habe ich vor Jahren abgeschworen. 

Es ist viel schlimmer. Ich neige dazu, mich mit meinen alten Romanen zu vergleichen. Ziel meiner Reise soll es sein, von Geschichte zu Geschichte, von Figur zu Figur, von Abenteuer zu Abenteuer besser zu werden. Dabei ist es natürlich absolut utopisch anzunehmen, man könne immer auf allen Gebieten eine Steigerung von 25% hinlegen.
Manchmal lernt man etwas für die Dialoge, manchmal für die Figurenzeichnung oder gar für die Handlung. Das weiß ich jetzt, während ich diesen Artikel schreibe, aber ganz sicher habe ich es morgen wieder vergessen, wenn ich ans Manuskript zurückkehre und mich frage: ‚Ist dir dieses und jenes im letzten Roman nicht so viel besser gelungen?‘ oder ‚Hmmm, das hier hast du aber vor drei Romanen schon mal viel besser hingekriegt!‘.

Einige nennen es den inneren Kritiker. Ich nenne es die Zweifelschwester. Diese kleine, missgünstige Nuss, die nicht will, dass ich mich weiterentwickle. Die mich stets daran erinnert, dass ich gar nicht so gut bin, wie ich glaube und vielleicht besser jetzt das Schreibprogramm für immer schließe.
Das hat nichts mit vernünftiger Kritik zu tun. Das hat nur einen einzigen Grund: Sie will mich verunsichern.

So auch jetzt. Ein neuer Roman, neue Figuren (die ich jetzt schon ins Herz geschlossen habe), neue Orte (in die ich mich jetzt schon verliebt habe) und ein Ende, auf das ich mich jetzt (300 Seiten davon entfernt) schon freue. Die Reise könnte also wirklich schön werden, wäre da nicht die garstige Zweifelschwester auf der Rückbank, die bei jeder Gelegenheit ungefragt ihre Meinung nach vorne brüllt, wo ich angespannt am Steuer sitze und versuche gleichzeitig die Karte zu lesen und die Geduld nicht zu verlieren. Sie will die Musik aussuchen, will ständig eine Pinkelpause machen und beschwert sich wann immer ich mal zu schnell oder zu langsam fahre.

Mit anderen Worten: Sie nervt!

Deswegen habe ich sie an der letzten Raststätte ausgesetzt – keine Sorge, ich habe ihr genug Wasser und ein paar Schokoriegel da gelassen – und fahre jetzt alleine weiter.  Vielleicht nehme ich unterwegs eine andere Unsicherheit mit. Oder aber, ich nehme einen Motivator mit, der mir sagt, dass meine Romane vielleicht nicht alle absolute Weltklasse sein mögen, ich aber auf einem guten Weg bin. Diese Mitfahrer machen nämlich viel mehr Spaß.

Und unterm Strich geht es doch immer von Buch zu Buch zu Buch zu Buch …

Wir lesen uns auf der nächsten Seite!

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