Das Leben als Autorin

Expecto Patronum

26. November 2016
Ihr Lieben,
die letzten Züge der New York Diaries Zoe werden geschrieben und dann ist das Buchjahr 2016 auch für mich geschafft! Zeit für einen Blick zurück.

Es war ein langes Jahr, in dem so einige Geschichten aus meiner Feder ihren Weg auf das Papier gefunden haben. Einige erscheinen nicht vor 2018. Und ja, ich bin im Moment etwas müde. Natürlich weiß ich, dass man als Schriftsteller nicht zu laut über seine Arbeit klagen darf, immerhin lebe ich meinen Traum und bin dafür unendlich dankbar. Doch nicht immer ist diese Seite des Bildschirms voller Konfettiregen, Wunderkerzen und geköpfter Champagnerflaschen.
Oft, aber eben nicht immer.
Manchmal ist es harte Arbeit und viel Stress. Man vergisst die Uhrzeit, das Essen, die Freunde, die Familie und die wichtigen Dinge im Leben, weil man in einem Faustkampf mit fiktiven Person steckt, die partout nicht das tun wollen, was die Storyline für sie vorgesehen hat und mir schlaflose Nächte bereitet.
Nächte, in denen ich mich frage, was die Leser wohl über das neue Buch denken werden.
Ob sie es mögen werden?
Ob die Figur ihnen sympathisch ist?
Ob es sie vielleicht einfach langweilt oder –  schlimmer noch  – kalt lässt.
Übermüdet geht es dann weiter, die Deadline fest im Blick, die Panik als Motivator.

Oft fließen Tränen. Meistens wenn man alleine ist, wenn keiner hinsieht.
Weil man darüber nicht sprechen soll.
Oft kommen diese fiesen Selbstzweifel, die unter uns Schriftstellern keine Modekrankheit oder schlichtes fishing for compliments sind, sondern regelmäßige Begleiter, die sich aus dem Schatten und gegen den Wind anschleichen. Außerdem haben sie ganz offensichtlich eine Spezialausbildung genossen, denn ihre Nahkampffähigkeiten sind ausgesprochen gut. Sie ringen uns immer zu Boden, bis der Ringrichter den erlösenden Gong schlägt oder jemand das Handtuch wirft.
Manchmal zweifeln wir einfach nur an uns selbst, dem Talent und der schwindenden Kreativität.

Man stelle sich die Selbstzweifel wie Dementoren vor.

Das alles passiert natürlich nur im Elfenbeinturm, dort wo wir schreiben, weit weg von der Realität oder dem fertigen Buch, das im Laden auf ein neues Zuhause in einem Regel der Leser wartet.
Darüber spricht man nicht öffentlich.
Das will keiner hören.
Das ist Meckern auf hohem Niveau.

Zugegeben, 2016 war ein aufregendes Jahr, eine wahre Achterbahnfahrt mit vielen Loopings und – verzeiht mir den grafischen Vergleich – einigen Passagen, bei denen ich zur Kotztüte greifen musste. Nicht immer war alles wunderschön, doch trotzdem wurde tapfer gelächelt. Seit langem habe ich jetzt aber das Gefühl, es wird Zeit für das Jahresende.
Für einen Schlusspunkt und ein neues Kapitel.
Ein Gefühl, das sicherlich einige von euch kennen.

So quäle ich mich jetzt noch durch die letzten 30.000 Worte, die bis zu den Feiertagen raus müssen und dann besinne ich mich mal auf das, was neben all den Geschichten, Figuren und Ideen wichtig ist: die Leute, denen es vollkommen egal ist, wieviele Worte ich schaffe, wieviele Auflagen mein Buch bekommt oder welchen Sterneschnitt ich bei Goodreads habe.

Doch so fies die Dementoren-Selbstzweifel dieses Jahr auch waren (manchmal habe ich den Eindruck, sie werden von Jahr zu Jahr häßlicher …), sie können mir nie die Freude nehmen. Zumindest nicht auf Dauer.
Nicht, solange es Leser und Blogger gibt, die mit ihren Rezensionen und lieben Worten zu meinen Büchern hunderte von Patronuse an meinen Schreibtische schicken – ohne zu wissen, wie wichtig ihre Worte für uns Schriftsteller wirklich sind.
Nicht, solange ich Fotos meiner Bücher auf Instagram sehe, die liebevoll umsorgt werden.
Nicht, solange die Ideen doch immer wieder zu mir zurückkommen und bleiben.

Deswegen freue ich mich auf das neue Jahr.

2017 schreibe ich nämlich wieder Bücher.
Meine Bücher.
Geschichten, die ich immer weiter nach hintern verschieben musste, weil andere Projekte den Vortritt bekamen. Doch damit ist jetzt Schluss. Und das fühlt sich befreiend und wunderschön an.
In meinem Kopf entstehen gerade Figuren zu einer Geschichte, auf die ich mich so sehr freue, dass ich gerne die Zeit vordrehen möchte, um euch endlich davon erzählen zu dürfen! Auch wenn ich noch nicht genau weiß, wohin sie mich und euch führen werden, freue ich mich sehr auf sie. Klar, auch sie wird Dementoren im Gepäck haben. Aber ich verlasse mich einfach auf euch und eure Patronuse.

Deswegen hier euer verdientes Danke.

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  1. Hallo liebe Adriana,

    vielen Dank für deine ehrlichen und berührenden Worte. Ich kann zumindest ein klein wenig nachvollziehen, wie kräftezehrend und anstrengend deine Arbeit oft ist. Um so mehr ziehe ich meinen imaginären Hut vor dir und all deinen Autorenkollegen. Du/ihr bereitet uns Lesern und Bloggern mit euren Geschichten so viel Freude und unbeschreibliche Glücksmomente, sodass auch wir euch gar nicht genug dafür danken können. Ich freue mich unglaublich auf all deine kommenden Bücher und stehe gerne und jederzeit mit meinem Patronus für dich bereit.

    Drück dich, Ally

  2. Meine Liebe Adriana,
    vor einigen Jahren habe ich dir prophezeit das du durch deine Art und Kreativität viel erreichen wirst.
    Jetzt zaubert es mir immer wieder ein Lächeln auf das Gesicht wenn ich lese das du ein neues Buch veröffentlicht, bei Messen bist oder Lesungen gibst. Ich bin sehr stolz auf dich!!!
    Und glaube mir die Phasen des alleine ins Taschentuch rotzen wenn man nicht mehr weiß ob man dem allen gerecht werden kann oder man sich komplett überfordert fühlt und nicht weiß wie es weiter geht, das kennen wahrscheinlich die meisten Menschen.
    Ich bin mir weiterhin sicher das du das Ding rockst!
    Schade aber das einfach zu wenig Zeit für schöne Dinge wie Drei Dessertabende bleibt!!!
    Hoffe das wir vielleicht im kommenden Jahr mal etwas Zeit finden!
    Ich drück dich
    Dein Pinselchen

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